Faszinierendes Sammlerobjekt und spannendes Investment

Als Sammler, Kurator und Händler von Sammler-Uhren weiss Davide Parmegiani, worauf es beim Aufbau einer eigenen Sammlung ankommt.

 21.12.2016

Davide Parmegiani über Sammler-Uhren

Einige der teuersten Uhren weltweit sind weder mit Diamanten besetzt noch sind sie aus Gold. An einem Vormittag in Lugano blicken wir auf sieben der seltensten Uhren. Verspielte Zifferblätter mit Emaille verziert, Uhrengehäuse in Rosé- oder Gelbgold, simple mechanische Uhrwerke oder komplexe Chronographen; kaum zu glauben, dass eine der wertvollsten aus dem Uhren-Septett eine schlichte Rolex mit schwarzem Zifferblatt und Edelstahlgehäuse ist.

Die Rolex Reference 6034 Monobloco erläutert uns Experte Davide Parmegiani detailliert: „Die Uhr hat ein sehr, sehr rares Zifferblatt mit mehreren Anzeigen.“ Er bewegt sie im Lichtschein etwas hin und her und demonstriert so die besondere Lackierung, die das Ziffernblatt besonders schimmern lässt. Der makellose Zustand und das zeitlose Design der Uhr lassen uns stutzen als Parmegiani davon spricht, dass sie eine der seltensten und perfektesten Rolex-Modelle aus den 1950er-Jahren ist. In Edelstahl wurde sie nur einige wenige Male hergestellt. Demgegenüber wurde das Modell in roségold und insbesondere gelbgold deutlich häufiger hergestellt. Wir erkennen – der Markt von Sammler-Uhren folgt eigenen Regeln.

Es begann alles mit einer GMT Master

Parmegiani kennt diese Gesetzmässigkeiten. Seit früher Jugend hat er sich für Uhren interessiert. Sein erstes Sammlerstück war eine Rolex GMT Master in Edelstahl, die er mit gerade einmal 17 Jahren für 300 Dollar kaufte. Wenig später investierte er seinen Sold beim Militär für Reisen in die USA oder nach London um dort mechanische Uhren namhafter Hersteller zu kaufen. Das war zu einer Zeit, als Quarzuhren ihren Siegeszug antraten und ihre mechanischen Pendants vielen als veraltet und unpraktisch galten. Wenn man zu dieser Zeit von einer besonderen Uhr erfuhr musste man sich auf Fotos verlassen oder aber man stieg ins Flugzeug.

In Zeiten des Internet hat sich auch dieser Markt, so Parmegianis Einschätzung, dramatisch verändert. Gegen den Trend zum Virtuellen setzt er sich seit ein paar Jahren mit einem gedruckten Katalog ab. Die Idee stammt von den Auktionshäusern, gibt er offen zu. Allerdings sind die gezeigten Uhren aus seinem Lagerbestand und damit sofort verfügbar. Was ihm an der Idee des Katalogs aber besonders gefällt: „Alles ist schnell und eine Uhr verschwindet aus dem Internet wieder, sobald sie verkauft wurde,“ der Katalog hingegen habe aber Bestand, hier könnte man auch stöbern.

Internationale Vernetzung

„Unser Markt ist eine kleine Nische im Vergleich zu anderen Sammlerobjekten und lässt sich nicht mit Kunst oder klassischen Automobilen vergleichen.“ Das Angebot ist begrenzt und so ist für Parmegiani die internationale Vernetzung mit anderen herausragenden Uhrenexperten auf der ganzen Welt wichtig. Er kooperiert auch mit Auktionshäusern. Heute kauft er hauptsächlich, da er über einen soliden Kundenstamm verfügt. „Ich bevorzuge die direkte Verbindung zum Kunden.“ Ende der 80er Jahre eröffnete er in Mailand sein erstes Ladengeschäft. Heute ist sein Geschäft in Lugano beheimatet; für seine Kunden ist er aber auf der ganzen Welt präsent.

Neue Herausforderungen aufgrund der Wertentwicklung

Das Anforderungsprofil für ihn als Uhrenexperte hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. War er anfangs einfacher Händler arbeitet er heute mit Sammlern auch enger zusammen, fungiert als Kurator ihrer Sammlungen. Und da der Kauf einer Uhr heute ein beachtliches Investment darstellt, erstreckt sich der Beratungsbedarf der Kunden heute insbesondere auch auf die Wertentwicklung. „Gerade wenn man eine Uhr für seine Kinder kauft, beachtet man dies natürlich. Wer aber ein Investment über drei oder fünf Jahre machen will, dem würde ich womöglich eine andere Uhr vorschlagen.“ Der Investment-Aspekt, so Parmegiani, sei insbesondere durch die Wertentwicklung der Uhren in den vergangenen 15 Jahren befördert worden.

Nichts desto trotz empfiehlt er Sammlern, ihrem Geschmack zu folgen und dann einen Experten zurate zu ziehen. Nur ein Experte kann eine verlässliche Aussage zum Beispiel über die Originalität der Uhr mit all ihren Teilen oder die Produktionszahlen des Modells mit all seinen Versionen treffen.

Posted on 21.12.2016 by Tilmann Schaal

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